IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper: Auch so geht 1. Mai – Mit Abstand, Seite an Seite kämpfen!

Onlineredaktion 2. Mai 2020 0

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Am diesjährigen 1. Mai lautete die staatlich verordnete Parole: Versammlungsverbot statt Groß-Kundgebungen, Abstand halten statt zusammenstehen. Der DGB verzichtete wegen der Corona-Pandemie erstmals nach der Gründung im Jahr 1949 auf Demonstrationen am „Tag der Arbeit“: Gesundheit gehe vor, hieß es aus den Zentralen. Dennoch fanden bundesweit kleine Aktionen der Gewerkschaften statt.  Dass man auch in schwierigen Zeit „Zusammenhalt und Solidarität“ demonstrieren kann, zeigte einmal mehr die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper mit ihrer Mai-Veranstaltung in diesem Jahr. Möglich war das nur durch das neueröffnete Autokino in Gevelsberg.

Schon am frühen Morgen – des 1. Mai – herrschte reges Treiben auf dem Gelände der AVU in Gevelsberg. Ein Fahrzeug nach dem anderen bog „An der Drehbank 18“ ins Autokino ab. Am Eingang begrüßt von den, mit Mundschutz ausgestatteten, Gewerschaftssekretär*innen, kontaktlos versorgt mit roten IG Metall-Fahnen, nahmen nach und nach hundert PKWs im Autokino ihren Stellplatz ein. Die Insassen – rund 200 IG Metaller*innen – schalteten ihr Autorradio auf die richtige Frequenz und hörten die ersten Texte des Liedermachers Heiko Fänger aus Köln. Gefragt, ob sie noch mehr hören wollen, kam die Antwort postwendend: Ein lautes Hupkonzert schallte über den Platz. An diesem Tag ersetzten im Ennepe-Ruhr-Kreis die lautstarken Hupen und Lichthupen den auf Kundgebungen sonst üblichen Beifall. Und schon in diesen ersten Momenten zeigte sich, sich wie stimmungsvoll auch eine solch ungewöhnliche Maiveranstaltung sein kann.

„Jetzt in der Corona-Krise ist Solidarität besonders wichtig“, sagte die IG Metall Bevollmächtigte Clarissa Bader bei der Begrüßung der Kolleginnen und Kollegen auf dieser, in einer absoluten Ausnahmesituation stattfindenden, Maiveranstaltung. Gerade in solchen Zeiten zeige sich, wie wichtig Gewerkschaften seien.  „Wir haben zusammen schon einiges angestoßen und erreicht: milliardenschwere Hilfsprogramme; Freistellung bei Kinderbetreuung und nicht zuletzt die erleichterte und besser ausgestattete Kurzarbeit“, betont die Gewerkschafterin. Damit seien drohende Massenentlassungen vorläufig verhindert worden. „Die Verteilung der Krisenlasten hat dennoch eine soziale Schlagseite. Das muss korrigiert werden“, rief Clarissa Bader. Ihre Aussage wurde mit einem lautem Hubkonzert unterstrichen.

„Demokratische Rechte verteidigen“

Der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi, stand auch in diesem Jahr „symbolisch“ untergehakt an der Seite der Arbeitnehmer*innen, die gerade jetzt für ihre Rechte und eine Zukunft in Würde kämpfen müssen. Die Einschränkungen der Demokratie seien in Folge der Corona-Krise sehr weitgehend“. „Es ist gefährlich, dass es Leute im politischen Raum, vor allem im rechten Spektrum, gibt, denen es sehr wohl passt, dass sich Gewerkschaften jetzt zurückhalten sollen“, warnte der SPD-Politiker und appellierte, dass die durch Gewerkschaften erkämpfte Rechte und Fortschritte nicht untergehen dürfen. Denn in den kommenden Wochen brauche es erst recht den Einsatz der Gewerkschaften „für die Verteidigung demokratischer Rechte und für die Durchsetzung sozialer Demokratie.“

„Statt Applaus – angemessene Tariflöhne notwendig“

„Angesichts der steigenden Zahl von Kurzarbeitern sind Gewerkschaften und Betriebsräte heute besonders gefragt», sagte der Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt. Er warnte die Arbeitgeber in der Region dringend davor, die Krise jetzt für zusätzlichen Arbeitsplatzabbau zu missbrauchen. Anstatt die alte Melodie „Wir müssen den Gürtel enger schnallen» zu bedienen, müsse mit Aufstockungen zum Kurzarbeitergeld die Kaufkraft der Bevölkerung gesichert werden. Und auf die „Systemrelevanten Berufe“ eingehend, führte Mathias Hillbrandt aus: „Es hilft nicht der Applaus“. Die Wertschätzung für Beschäftigte etwa in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und im Einzelhandel müsse auch im Portemonnaie ankommen. Sie brauchen angemessene Tariflöhne, gute Arbeitsbedingungen, mehr Personal und eine Rente, von der man leben kann. „Das haben sie verdient, und dafür kämpfen wir Metaller*innen – in und nach der Krise – solidarisch an ihrer Seite“, erklärte vom Hupkonzert begleitet der Bevollmächtigte der IG Metall.

„Klare Botschaft ist jetzt schon angesagt!

Die Hilfsmaßnahmen kosten Milliarden: Der Bund habe für dieses Jahr zusätzliche Kredite von 156 Milliarden aufgenommen. Doch das sei längst nicht das Ende der Fahnenstange: Die Staatseinnahmen und die Einnahmen der Sozialkassen werden schrumpfen. Die Ausgaben für die Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik werden weiter steigen, erklärte Clarissa Bader abschließend und fragte. „Wer bezahlt das alles?“ Deshalb seien frühzeitig und vor allem klare Botschaften angesagt: „Wer seinen Profit aus der Krise ziehen will, der stößt auf unseren entschiedenen Widerstand“, betonte die hauptamtliche IG Metallerin. „Es kann nicht sein, dass manche Konzerne über Jahre Milliardengewinne einfahren und jetzt als erstes nach staatlicher Unterstützung rufen. Die Kosten der Krise müssen solidarisch verteilt werden“, so Clarissa Bader.

Auch mit Abstand, Seite an Seite kämpfen!

Das 1. Mai-Motto „Solidarisch ist man nicht allein!“ hat sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge der Gevelsberger Mai-Veranstaltung der IG Metall gezogen. Auch zum Schluss als Liedermacher Heiko Fänger und alle TeilnehmerInnen in ihren Autos gemeinsam das „Solidaritätslied“ anstimmten: „Vorwärts und nicht vergessen/ Worin unsere Stärke besteht! / Beim Hungern und beim Essen/ Vorwärts und nie vergessen: Die Solidarität!“. Hupend und mit IG Metall-Fähnchen, eingeklemmt an den Seitenscheiben, verließen die mobilen Metaller*innen das AVU-Gelände und bildeten ungewollt auf Teilen des Heimweges „kleine Autokorsos“ und verbreiteten die Nachricht: Auch am 1. Mai 2020 hat in der Region Ennepe-Ruhr-Wupper der internationale Kampftag der Gewerkschaftsbewegung stattgefunden – man/frau kann auch mit Abstand, Seite an Seite kämpfen!

Fotoimpressionen vom 1. Mai 2020

Film & Fotos: Radix Medien

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